Nusa Penida, eine tropische Karstinsel (Helbig, 1941)

Below German article was written by anthropologist Karl Helbig in 1939/1940, and published in 1941 during Dutch colonial occupation of the archipelago and is quoted in its entire length to do justice to the various interesting details given on many aspects of everyday life in Nusa Penida. An English translation can be found here.

Most strikingly, Helbig states that the island of Ceningan was by 1940 still uninhabited. On Nusa Penida, he reports, the Dutch colonial authorities had established schools in which (with an esclamation mark) of the total 90 pupils 50% were girls!

Allgemeines

helbig-eine tropische karstinsel 1941 coverTropische Kalk- und Karstgebiete sind von Hinter- und Insel-Indien, dort wo allem von den Philippinen, Süd-Celebes und Java vielfach geschildert worden. Vor kurzem erst hat H.Lehmann den Versuch einer tiefgründigen Erklärung der auf Java im Südgebirge vorhandenen Kalklandschaft und Karsterscheinungen unternommen ("Morphologische Studien auf Java", Stuttgart 1936). Mit einer Beschreibung der von mir Ende 1937 besuchten Insel Penida zwischen Bali und Lombok möchte ich einesteils die Karstforscher auf ein weiteres Beispiel tropischer Kalklandschaften aufmerksam machen, in erster Linie aber eine kurze Monographie des inselchens geben und vorführen, wie eine isolierte Bevölkerungsgruppe ihren engen, abgelegenen und benachteiligten Lebensraum zu gestalten und zu nutzen versteht. - In der Deutschen geographischen Literatur sind mir keine Angaben über Nusa Penida bekannt geworden. Selbst im Holländischen gibt es, abgesehen von guten topologischen Karten, meines Wissens nach nur eine einzige geographisch ausgerichtete Veröffentlichung, die A.Gertis gelegentlich der Vermessung und Kartierung der Insel im "Jaarverslag v.d. Topografische Dienst in Nederl. Indie over 1924" brachte: Enkele aanteekeningen omtrent Noesa Penida." (Einige Angaben über N.P.) Auch die Zahl volkstümlicher Reiseschilderungen, aus denen der Geograph schöpften könnte, ist außerordentlich gering, zumal nur in langen Abständen einmal ein fremder Besucher Penida betritt. Zoologischen und kulturhistorischen Problemen ging in jüngster Zeit (nach meinem Besuch) der durch seinem Bali- und Borneofilm allgemein bekanntgewordene Baron von Plessen auf der Insel nach.

Nusa (noesa=Insel) [Das holländische 'oe' ist in Ortsbezeichnungen ins deutsche "u" überführt] Penida (ein balinesisches Wort, das neben anderem wahrscheinlich "schlechter Kalk" bedeuten kann) mit den im Nortwesten unmittelbar angelagerten Eilanden Tjeningan und Lembongan gehört zu der zerbrochenen tertiären Kalkregion, die sich von Südjava über die Tafelhuk [Südspitze Balis, vgl. darüber den Aufsatz des Verfassers in der "Zeitschrift für Erdkunde" 1939, 9/10, über "Bali, eine tropische Insel landschaftlicher Gegensätze"] nach Süd-Lombok erstreckt. Trotz der geringen Oberfläche der annähernd rechteckig geformten Insel von wenig mehr als 200 qkm - ca. 18 km Längserstreckung von NW nach SO bei 11 km durchschnittlicher Breite - wohnen hier nach der amtlichen Zählung von 1930 doch 22 300 Menschen, das sind rund 112 auf den qkm, auf dem kleinen Lembongan weitere 4200, das sind sogar 475 auf den qkm. Das durch einen schmalen Meeresarm in zwei Teile gegliederte Tjeningan ist unbewohnt. 1937 hatte sich nach Aussage der Punggawa, des höchsten, in Sampalan an der Nordküste stationierten eingeborenen Verwaltungsamten, die gesamte Kopfzahl des Inselkomplexes auf reichlich 30 000 erhöht. Diese kaum bekannte Eiland hat damit reichlich die doppelte Einwohnerzahl wie etwa das vielgenannte Banda, und steht in kultureller Hinsicht zweifellos jener weit wichtiger erscheinenden Insel in keiner Weise nach. Um so eher liegt eine Berechtigung vor, diesem Nusa Penida eine eingehende Darstellung zu widmen.

Geomorphologische Stellung

helbig tropische karstinsel1941Von der von der äußersten Nordwestspitze Penidas nur 12 km entfernten Südküste Balis erblickt man die Insel als einem gestuften Tafelklotz mit zerkerbten Steilrändern. Doch schiebt sich in Wahrheit gerade an der Nordseite hinter einem bis 300 m breiten Riffkorallen-Gürtel ein schmaler Flachlandsaum vor nur wenigen hundert Meter Ausdehnung zwischen See und aufstrebenden Hang ein. An der Nordwestküste, um den Zoll- en Handelsplatz Toja Pakeh herum, trägt er in größerer Erstreckung den deutlichen Charakter junger Anschwemmungen auf Korallenunterlage. Ebenso ist gegenüber, an der Nordostküste von Lembongan, halbmondförmig mit landeinwärts vordringenden Buchten ein sumpfiger Flachlandstreifen angeschwemmt. Weiße und rote Korallentrümmer, überaus zahlreiche Seeigelschalen bedecken den aus Korallengrus und Kalksand bestehenden Strand. Doch finden sich hier such schwarze Sande vulkanischer Herkunft, die zweifellos von Bali und vielleicht auch von Lombok herübergetrieben wurden. Steht doch eine starke nordöstliche Strömung in der Badung=Straße, zwischen Bali und Penida, und zwischen dem letzteren und ~Tjeningan wächst sie sogar auf die außergewöhnliche Stärke von sechs bis zehn Stundenmeilen an. In den Sagen der Eingeborenen spielt, wie Gertis u.a. erzählen, diese Strömung eine wichtige Rolle. Nach ihnen entstand Tjeningan aus einem großen Schiff, das der Gott der Chinesischen ausrüstete, auf den auf dem Agung, Balis heiligem Berge, herrschenden Gott Sanghyang Mahadewa zu erschüttern und sich untertan zu machen. In der Tat raste das Schiff ein Stück nach Bali hinein - die Bucht von Labuhan Amuk bezeichnet dort heute noch die Rammkerbe -, aber er gelang Mahadewa, es zurückzustoßen, und die gewaltige Strömung des Ozeans erfaßte es, brachte es zum Kentern und trieb es bis vor Penida, wo es als die Insel Tjeningan liegen blieb. Nach andrer Fassung aber ist Penida selbst dieses Wrack, während Tjeningan und Lembongan die Beiboote waren, somit auch als die "Kinder" der "Mutter" Penida angesprochen werden. Eine weitere Version schließlich betrachtet Penida als ein abgetrenntes Stück von Bali, mit dem heute noch eine sagenhafte unterirdische Tunnelverbindung besteht. Wissenschaftlich betrachtet könnte nach vorherigem Einbruch - die kaum 1/2 km breite Straße zwischen Penida und Tjeningan ist bis zu 223 m tief! - die Strömung zur schärferen Trennung der Nachbareilande vom Hauptkörper Penida beigetragen habe.

Vertikalbewegungen, Hand in Hand mit Brandungstätigkeit, dürfe der kleine Inselkomplex sein Dasein verdanken. Kompakte Korallenkalke und amorphe Schichtkalke in flachlagernder Bankung bilden allenthalben die Oberfläche der Stufen und die Steilränder. Es ist möglich, daß sie, entsprechend den ähnlichen Kalkmassen in Südjava, diskordant über gefalteten miozänen Brekzien und Tuffsandsteinen vulkanischer Herkunft liegen. Zutage kommen solche jedoch nirgends. Eine dreifache Stufung ist an der Nord- und Nordostküste hinter dem schmalen Küstenstreifen erhalten, und zwar mit Niveaus von 25 bis 40 (Niederstufe) und 80 bis 110 m (Mittelstufe) unter dem höheren Block des Zentralstückes (Hochland). Auf der Ost-, Süd-, und Südwestseite dagegen fehlen Küsten streifen und Niederstufe völlig. Sie dürften der harten Brandung des ungebrochenen Indischen Ozeans zum Opfer gefallen sein. Sie hat sich auch in die Mittelstufe bereits weit hineingefressen, hat hier und da isolierte Felsturminselchen aus ihr herausgeschlagen. Trotzdem ist diese Mittelstufe dort noch breite als im Norden und Nordosten. Sie erreicht im Süden mit durchschnittlich 220 m ihre größte Höhe und fällt gegen die Südosten auf 200 bis 180 m, gegen Westen hin noch weiter ab. Dort liegt sie nur noch auf knapp 100 m, ungefähr der gleichen Höhe, die auch die beiden Nachbareilande in ihrem Hauptteil aufweisen und die daher wohl mit Recht als abgetrennte Teile dieser Mittelstufe angesehen werden. Ebenso erreicht das Hochland des Kernblockes, ein aufgelöstes Plateau von etwa 9 zu 4 km Ausdehnung, seine höchste Höhe am Süd- und Südwestrand - im äußersten Südwesten der 529 m hohe Bukit (Berg) Mundi als höchste Kuppe -, um nach Osten, Nordosten und Norden hin auf 400 bis 350 m abzugleiten. Es besteht somit eine eindeutig nach Nordosten geneigte Schrägstellung.

Gertis schließt aus dieser Beschaffenheit auf eine in drei Stadien erfolgte Hebung mit langen Zwischenpausen. Bei dieser Annahme wären die einzelnen Stufen als reine Abrasionsflächen aufzufassen, und die Hebung müßte im Südteil stärker als im Nordteil gewesen sein. Vor allem die hohe Steilküste im Süden läßt aber auch an ein randliches Absinken nach anfänglicher Hebung denken. Hierfür könnte auch die Tatsache sprechen, daß vor der brandungsreichen Südküste eine ca. 8 km breite, 100 bis 200 m tiefe Schelfplatte den Meeresboden bildet. Sie könnte sehr wohl eine bis unter den Meeresspiegel weggesunkene Stufe, freilich auch eine durch jüngste Aggression überflutete Küsten-Abrasionsfläche darstellen. Auf der brandungsarmen Nordküste dagegen ist ein solches Schelf kaum ausgebildet, und die Meerestiefe sinkt rasch auf 400 bis 500 m. Andererseits deuten die Korallen im niederen Küstenland des Nordens wieder auf jüngste Hebungen bzw. Regression der See. Die Entscheidung über die tatsächlich erfolgten Bildungsvorgänge der Insel muß daher einer genauen geomorphologischen Untersuchung vorbehalten bleiben. Vor allem wäre nachzuweisen, ob sich auf der Mittel- und Niederstufe Abrasionstrümmer und vielleicht auch junge Korallenbildungen vorfinden. Manche Höhlenbildungen am Rande der einzelnen Steilstufen erwecken wohl den Eindruck von Brandungsformen; es könnten aber auch fossile Ausmündungen unterirdischer Karstflüsse sein.

Oberfläche

helbig karst cross section1941Image left: Nusa Penida karst cross section (Karl Helbig, 1941)

Bei einer Überquerung der Insel von der Nord- zu Südseite findet man hinter dem das Riff begrenzenden Strandstreifen zunächst den schmalen Küstensaum. Kleine Äcker bedecken ihn. Ein im trockenen Zustand bleichgrauer bis graugelber, im nassen Zustand dunkelgraubrauner, staubfeiner Boden, durchsetzt mit Steintrümmern, liegt in geringer Mächtigkeit auf dem Kalkuntergrund. Schon am Aufstieg zur Niederstufe ragt dieser letztere allenthalben zackig und schrattig, tausendfach zerlöchert und zerfurcht an die Oberfläche, doch kann von einer ausgesprochener Karrenbildung keineswegs die Rede sein. An den weiter aufwärts folgenden, sehr viel höheren Stufen tritt er auch in hohen Wänden aus meistens hellgrauem, manchmal auch schneeweißem und vereinzelt (so z. B. am Rande des Hochlandes zwischen den Dörfern Batu Kandik und Batu Madeg) auch aus schwärzlichem Fels zutage. An der steilen Südküste bildet er weithin ein schwärzlichem Mauern, die bis zu 200 Meter völlig senkrecht oder sogar über tiefer Brandungskehle weit überkragend emporstreben (Abb.2). Mürbe wie trockener Mörtel ist die löcherige Oberfläche verwittert, während eine Auflösung in Platten und glatte Gesteins. es sind Rutschbahnen, auf denen gelegentlich der seltenen Regen die Wasser abwärts rauschen. Neben ihnen bestehen jedoch auch zahlreiche tief eingekerbte Schluchten voller Blockwerk. In Ihnen toben jedoch nur noch in seltensten Fällen Wildfluten zur Küste, im allgemeinen aber ist kein einziger Tropfen Wasser in ihnen zu finden. Solche Kerbtäler sind in paralleler Anordnung rings um die Insel in vielfacher vorhanden. An der steilen Süd- und Ostküste erreichen die See, die anderen sind an den hohen Kliffmauern in beträchtlicher Höhe gekappt. Auch an den Rändern des ~Kernblockes sind solche Schluchten tief eingekerbt. Die Zwischentalrücken gleiten, kleine selbständige Bergzüge vortäuschend, weit auf dem tiefergelegenen Plateau der Mittelstufe aus. Kerbschluchten und Steilstufen erschweren gleichermaßen den Verkehr im Binnenland und zwischen diesem und der Küste.

Auf der Mittelstufe sowohl wie in besonderer Vollkommenheit auf dem zentralen Hochland besteht die Oberfläche durchweg aus konvexen Vollformen und aus gerundeten Hohlformen in der typischen Art des tropischen Karstes. In den randlichen Zonen treten ganze Reihen gleichmäßig hoher Kuppen mit kleinen Talkerben an den Außenseiten auf. [H. Lehmann bezeichnet solche Formeneinheiten im Südgebirge auf Java als "gerichteter Karst"; Verfasser erwähnte sie in seinem Beitrag über das "Kendeng-Gebirge auf Java" in der "Geographischen Wochenschrift", 3/1935.] Anschließend in das Landesinnere hinein überwiegen mehr oder minder vollkommene, oft jedoch geradezu ideal ausgebildete Halbkugeln von meist 30 bis 40 m relativer Höhe. Es ist der vollendete "Kegelkarst (Abb.1). Sie wechseln noch weiter landein mit unregelmäßigeren Hügeln ab, die oft an Brotlaibe oder umgedrehte Tröge erinnern und gleich den Halbkugeln durch niedere Wälle miteinander verbunden sein können. Zwischen den Hügeln sind isolierte steilwandige Trichter und Schüsseln eingebettet, oder es schlängeln sich nach allen Richtungen ineinandergreifende, sackartig untereinander eingeschnürte Karstwannen von selten mehr als 200 m größter Breite. Die erste von ihnen beginnt in de Regel mit einem breiten, hufeisenförmigen Talschluß an einem Zwischensattel, und die letzte mündet in eine zur nächst tieferen Plateaustufe hinabführenden Kerbschlucht aus.

Keiner dieser Hohlformen birgt stehendes oder führt fließendes Wasser. Daß sich selbst bei schwersten Regen kein Abfluß, sondern bestenfalls an der tiefsten Stelle etwas Schichtwasser bilden kann, bewiest die Tatsache, daß die Terrassenfelder der Eingeborenen ohne jegliche Unterbrechung über die ganze Breite des Talschlusses und der Tälchen selbst angelegt sind (wie auf Abb. 1). Gelegentlich meines Aufenthaltes auf der Insel wanderten wir auch einmal einen halben Tag lang in dauerndem Regen über die Hochfläche und sahen, abgesehen von einigen an Felswänden herabsickernden Strähnen, doch nicht das geringste Rinnsal. Wohl aber konnte am Grunde mancher Wannen der Boden das herabregnende und von den Hängen unterirdisch herbeisickernde Wasser nicht mehr fassen, und es quoll in Pfützen an die Oberfläche. Doch schon am folgenden Morgen waren nur noch feuchte Flecken übriggeblieben. Alles Wasser muß daher überaus rasch versickern, ein Vorgang, der sich den übrigen Karsterscheinungen auf der Insel harmonisch angliedert.

Boden

Alle diese Hohlformen enthalten einen sehr dunklen, nahezu schwarzen, humosen Boden von mürber und guter Beschaffenheit. Diese auch in den Hohlformen anderer Kalklandschaften Insel-Indiens vorhandene Schwarzerde, die dem Regur Vorindiens verglichen wird, erklärt Mohr ["De grond van Java en Sumatra", Amsterdam 1929, "De bodem der tropen in het algemeen en die van Nederlandsch Indie in het bijzonder", Kon. Ver. Koloniaal Inst. Amsterdam, Mededelingen XXXI, I.] als Zusammenschwemmungen über undurchlässigem Ton am Grunde einstiger kleiner Seen und Tümpel. Doch auch auf den Hängen und Rundkuppen herrscht ausschließlich eine dunkle, braune bis schwarze, äußerstenfalls eine ins braun- oder graugelbe spielende Färbung. Nirgends aber auf der gesamten Insel, selbst nicht auf den höchsten Erhebungen (530 m) findet sich auch nur eine Spur von Roterde, die irgendwie der bekannten "Terra Rossa" verglichen werden könnte. Es sei dieses besonderes unterstrichen, weil nach bisherigen Feststellungen (Lehmann, Mohr, vgl. oben) solche Schwarzerdebildungen im tropischen Kalk an Jahresmitteltemperaturen von mindestens 25° C, das bedeutet für insel-Indien an Höhen von nicht mehr als 300 m, gebunden sein sollen. Auch Anwehungen von Aschen aus den Vulkanen Balis, die als Fremdfaktoren eine Rotfärbung des Bodens begünstigt haben könnten - wie man es in den Kalkgebieten Javas beobachten kann -. scheinen nicht stattgefunden zu haben, denn nördliche Winde sind in dieser Zone äußerst selten.

Klima

Ausgeprägten Jahreszeitenwechsel und lange Trockenzeiten, die im Verein mit schwer durchlässigem Boden nach Mohr ebenfalls als Vorbedingungen für die Bildung von Schwarzerde im Tropenkarst erforderlich sind, kennt jedoch auch Nusa Penida in einer extremen Vollkommenheit, wie sie auf Java u.a. kaum erreicht wird. Wie allenthalben an den Südküsten der Kleinen Sunda-Inseln sind auch hier die Monsune mäßig ausgebildet. Nach Braak ["Het klimmat von Nederlands Indie", Batavia 1929] überwiegt dort in allen Monaten, außer Januar und Februar, in der mittleren Windrichtung die südliche Komponente, und auch der hauptsächliche Regenbringer des Archipels, der Nordwestmonsun, tritt hier als Südwestwind auf. Wohl aber ist die Verteilung der Niederschläge dem üblichen Gang des malaiischen Haupt-Monsungebietes völlig angepaßt mit dem Minimum in der Jahresmitte und den höchsten Ziffern in den letzten und ersten Monaten des Jahres. Doch besteht in den Gesamtmengen von Jahr ebensowenig eine Beständigkeit wie in der monatlichen Verteilung innerhalb verschiedener Jahre. Wesentlich ist, daß die Gesamtmengen außerordentlich gering sind, daß zuweilen drei, ja vier Monate lang kein einziger Tropfen Regen, ja nicht einmal Tau fällt, und die geringe Menge in manchen anderen Monaten aus einer einzigen, rasch verrauschenden Bö herrühren kann. Leider liegen Beobachtungen nur aus dem Küstendorf Sampalan vor (und die mitgeteilten Zahlen dürfen auch nicht als unbedingt verläßlich angesehen werden), aber nicht von der Hochfläche. Dort wird sicherlich mehr Regen fallen; die größere Höhe und die etwas üppigere Vegetation lassen darauf schließen.

Table below: Rainfall Sampalan January - August (p.400)

Year/Month January February March April May June July August Year Mm & Days
1933 13 175 250 99 13 124 0 60 1,160 mm
  4 14 12 7 4 11 0 6 81 days
1934 100 238 113 108 4 3 119 68 1,140 mm
  10 17 9 5 3 1 9 1 77 days
1935 218 31 149 46 41 4 0 0 650 mm
  15 6 9 7 6 2 0 0 60 days
1936 134 95 60 101 4 10 35 8 654 mm
  12 6 4 9 2 2 2 2 61 days

Table below: Rainfall Sampalan September - December (p.400)

Year/Month September October November December Year Maximum daily amount Mm & Days
1933 24 3 141 258 1,160 119/XII mm
  4 1 7 11 81   days
1934 0 185 170 32 1,140 111/X mm
  0 4 12 6 77   days
1935 0 66 25 75 650 68/III mm
  0 6 3 6 60   days
1936 7 45 42 113 654 54?IV mm
  1 4 8 9 61   days

Aber auch das Hochland ist zweifellos im Vergleich zu ähnlichen Höhengebieten der benachbarten größeren Inseln stark benachteiligt. ich kannte mehrfach beobachten, wie sich rings am Himmel Cumuluswolken zusammenzogen, über Penida aber infolge der von den überhitzten Kalkmassen aufsteigenden Warmluft ein regelrechtes Loch blieb; und wie es später ringsum auf See regnete, ohne daß die Insel durch einen einzigen Tropfen erfrischt worden wäre. Erst mit dem Einsetzen lebhaften Südwestwindes (im Dezember), den wir bis auf Stärke 4 schätzen, trieben dann unter heftigem Gewitter nasse Wolken auch über die Insel selbst und hingen dabei unter mäßigem Dauerregen stundenlang sogar bis auf die Hochfläche herab. Wolkige und dunstige Tage mit schlechter Sicht sollen dagegen häufig zu verzeichnen sein. Bei er im allgemeinen herrschenden Trockenheit von Luft und Land sind die hohen Temperaturen trotz der lästigen Rückstrahlung vom heißen Kalkboden einigermaßen erträglich. Wir maßen an der Küste morgens gegen 26, mittags bis 32, abends nicht unter 28° C, im Hochland entsprechend ca. 24, 29 und 26° C in Dezember.

Wasser

Auf den schnellen Ablauf des Wassers auf Rutschbahnen und in Schluchten bei sehr starken bzw. auf das rasche Versickern bei mäßigen und geringen Regen wurde schon hingewiesen. Der Grundwasserspiegel muß außerordentlich tief liegen, offenbar auf Seeniveau. im gesamten Binnenland gibt es weder eine Quelle noch einem Grundwasserbrunnen, auch an den randlichen Steilstufen keinerlei Wasseraustritt. Lediglich in allernächster Küstennähe ist Wasser zu finden. Im Süden sprudelt es am Fuße der Steilküste in einigen z. T. warmen Quellen hervor; im übrigen ist es längs der flachen Küste gewöhnlich in den Mündungsabschnitten größerer Schluchten durch Brunnengrabungen erschlossen, und zwar mit Rücksicht auf die gelegentlichen Wildfluten nicht in ihrer Mitte, sondern an ihrem Rande. Durchweg ist dieses Brunnenwasser jedoch brakig. Selbst in Toja Pakeh, das eigentlich "Süßwasser" bedeutet, wurde es von uns als reichlich salzhaltig empfunden.

Pflanzenwuchs und Tierwelt

Die Frage nach einer ursprünglichen Vegetation muß selbstverständlich offen bleiben. Sie ist nicht einmal für weit bekannte Teile des Inselreiches immer befriedigend gelöst. Auf der Hochfläche mag unter einstmals besser ausgeglichenen Niederschlagsverhältnissen früher Wald gestanden haben. Ein "heiliger Hain" in Westen in der nähe von Batu Kandik trägt unbedingt den Charakter eines restlichen Bestandes von natürlichem, nicht sehr dichtem Höhenwald. Doch füllt er lediglich eine tiefere Hohlform aus. Auch gewaltige Einzelbäume, meistens Ficus-Arten, die hier und da vor Dörfern und Tempeln Schatten verbreiten, beweisen, daß sie lebensfähig sind. Sie könnten freilich als Kultbäume vorsätzlich angepflanzt sein. Aber auch das im Hochland reichlich vertretene Alang Alang-Gras, das im Archipel mit Vorliebe als Nachfolgvegetation auf Brandflecken im Urbusch auftritt, läßt einstigen Waldbestand vermuten. Heute ist es reichlich von Steppengewachsen durchsetzt: kleinen Mimosen, knorrigen Einzelbäumen mit teils filzigen, teils lederartigen Blättern, darunter dem ein Mittelding von Schlehe und Zwetsche hervorbringenden "djoewat"-Früchtbaum [Syzygium/Eugenia cumini], Opuntien [Opuntia, Paddle cactus] und kleineren Wolfsmilcharten, auch Agaven, vereinzelten Pandanus-Exemplaren und vor allem weiten Feldern dornigen Lantana-Gestrüppes. In den tieferen Regionen überwiegt diese dürftige Dürrevegetation heute vollkommen, namentlich Opuntien und Lantana breiten sich dort zu langen Hecken und undurchdringlicher Wildnis.

Ebenso armselig ist die Tierwelt. Größeres Wild gibt es nicht oder nicht mehr; Schlangen und Vögel sind die höchsten Vertreter. Unter den letzteren verdienen große, weiße, gelb beschopfte Kakadus besondere Aufmerksamkeit, weil sie zwar auf Lombok, nicht aber auf Bali vorkommen. Die bekannte Tierscheidungslinie durch die Lombok-Straße wäre somit im weiten Bogen westlich um Penida herum zu ziehen. Die Eingeborenen behaupten allerdings, diese Vögel seien früher auch au Bali heimisch gewesen, dann aber ihres zänkischen und diebischen Benehmens halber nach Penida, verbannt worden! Große, kanariengelbe Amselvögel, kleine, den Kolibris ähnliche Arten und andere, sowie unermeßliche Scharen von lästigen Fliegen (aber keine Mücken) vervollständigen die heute noch vorhandene natürliche Fauna der Insel. Doch bietet ringsum die See den Bewohnern Ersatz für die ausfallende Kost von Wildfleisch in Gestalt von kleinem Riffgetier, Schildröten und größeren Fischen, unter denen Octopus und Rochen besonders erwähnt werden sollen.

Bevölkerung

Daß diese im Süden und Osten durch die hohe, mauerartige Küste und gewaltige Brandung, im Westen durch die starke Strömung, im Norden durch gefährliche Riffe geschützte, regen- und wasserarme, heiße und dürftige Insel dennoch eine derart zahlreiche Bevölkerung aufweist, verdankt sie nicht ausschließlich der Nähe Balis und den für Kulturen wohl geeigneten Schwarzerde-Karstwannen. Diese Umstände allein würden sicherlich nur geringfügige Einwanderungen hervorgerufen haben. Wieweit solche tatsächlich in vorgeschichtlicher Zeit erfolgten, ist nicht ersichtlich. Heute weiß man nicht anders, als daß die Bevölkerung auf zwangsmäßig Deportierte aus den südlichen balinesischen Fürstentümern, namentlich aus Klungkung, zurückgeht. Verbrecher, Schuldner und sonstige unbeliebte Personen sind lange Zeit für lebenslänglich von ihrem Landesherren nach hier verbannt worden. Noch 1925 sind zahlungsunfähige Balinesen, nun jedoch nur doch zu vorübergehender Strafzeit, von ihren Fürsten nach Penida geschickt worden, um dort in armseligster Umgebung einem harten Tagewerk nachgehen und ihrer gesegneten Heimat fern sein zu müssen. Nach der Holländischen Besetzung Süd-Balis (1912) gesellten sich überdies zahlreiche freiwillige Auswanderer dazu. Dieser eigenartigen Besiedlungsgerichte trägt unbewußt die unter Seeleuten übliche Bezeichnung "Banditen-Insel" Rechnung. Sie geht in Wahrheit aber nicht auf die Kenntnis der tatsächlich stattgehabten Verhältnisse, sondern auf eine Verstümmelung von "Nusa Penida" zu "Nusa Pandita", was eigentlich so viel wie "Priesterinsel" bedeuten würde, zurück. "Pandita" wurde bei den Seefahrern dann zu "Banditen". Wurden früher die Bewohner Penidas von den Balinesen in der Tat als Verbrecher angesehen und behandelt, so sind sie heute innerhalb ihrer Insel völlig frei, dürfen sie aber, sofern es sich um Verbannte und deren Nachkommen handelt, nicht verlassen. Die grausamen Todesurteile, die man früher gegen Flüchtlinge handhabte - sie wurden auf einem Felseneilande vor der Westküste angebunden, um dort zu verhungern, bzw. mußten, falls ihnen auch von dort die Flucht glückte, vom nächsten Dorfoberhaupt erstochen werden -, und ähnliche unzeitgemäße Bestrafungen sind selbstverständlich seit der Ausdehnung der holländischen Herrschaft abgeschafft worden.

Der eigenartigen Besiedlungsgeschichte ist es zuzuschreiben, daß Fremde auf der Insel fast gänzlich fehlen. Nur wenige Chinesen - drei auf Penida, sechs auf Lembongan - haben sich in letzter Zeit zu Handelszwecken, namentlich zum Ankauf er Kopra bzw. Kokosnüsse, niedergelassen. Bei ein Eingeborenen selbst handelt es sich zur Hauptsache um einen dunklen, hageren Menschenschlag, wie er vor allem in den Berggebieten Balis vorherrscht, sehr oft mit einem deutlichen altmalaiischen Einschlag in der Gesichtsprägung, wie man ihn überall auf den Inseln gerade bei Bergvölkern antrifft. So sind wohl vernehmlich Angehörige der starren und obstinaten Bergstämme in die Verbannung geschickt worden. Die an der Nordküste noch rein balinesischen Sprache macht im Innern einem unverständlichen Dialekt Platz. Auch in der Kleidung, besonderes der der Frauen, bestehen Abweichungen zum Heimatland; über einem buntgestreiften Untergewand tragen sie einen dunkelblauen bis schwarzen Rock, bei freiem Oberkörper. In ihren Kult wahrt die Bevölkerung den balinesischen, leicht hinduistisch überdeckten Animismus, und zwar soll er sich bei manchen Festlichkeiten strenger und lebendiger äußern als auf Bali selbst. Die Verbrennungen der Toten wird dort wie hier geübt. - Gertis gibt für 1923 nur 95 Mohammedaner an: Malaien und islamisierte Balinesen fast durchweg in Toja Pakeh, die zu dem ebenfalls mohammedanischen Kusambe an der Südküste Balis rege Beziehungen pflegen. Eine Kastenordnung wie auf Bali besteht nicht, da die Bevölkerung, mit ganz wenigen Ausnahmen an der Nordküste, durchweg den Sudra angehört und alle kastenmäßigen Unterschiede somit wegfallen.

Siedlungen

Nicht weniger als 119 Dörfer in 12 Dorfgemeinschaften wurden gezahlt, und zwar, abgesehen vom unzugänglichen Fuß der Steilküste, ziemlich gleichmäßig über die ganze Insel verteilt, da das Land überall die gleichen Nach- und Vorteile für die Besiedlungen aufweist. Besitzen die Nordküstendörfer zwar Brakwasserbrunnen und Gelegenheit zur Fischerei, so fehlen ihnen andererseits die fruchtbaren Kulturkummen und etwas höheren Niederschläge der Hochlandbewohner. Diese ihrerseits sind bezüglich der Wasserversorgung denkbar schwer benachteiligt. Einzig und allein auf das Regenwasser sind die angewiesen, das jede Familie in (von Bali eingeführten) Tonkrügen oder in selbstgefertigten ausgehöhlten Kalksteinen auffangen muß. Daneben haben die meisten Siedlungen einen gemeinsamen "djoembang", einen in mühseliger Arbeit flaschenförmig in dem Kalkuntergrund ausgehauenen Brunnen, dessen Wandungen mit undurchlässigem Ton verschmiert und dessen Hals durch einen verschließbaren Deckel abgedichtet ist. In ihn wird von eigens zu diesem Zwecke in der Nähe errichteten V-förmigen Gras- oder neuerdings auch Wellblechdächern das Regenwasser geleitet und hält sich in dem unterirdischen Gewölbe monatelang frisch. Für das Vieh sind außerdem hier und da in tiefen Mulden Regentümpel gestaut ("goemblang"). Infolge ihren starken Verkotung kommen sie jedoch nur mehr als Suhl-, aber nicht als regelmäßige Tränkplätze in Frage. Vielmehr muß in trockenen Zeiten das Vieh in gewissen Abständen und in oft tagelangem beschwerlichen Marsch zu den Brunnen der Küste getrieben werden. Doch auch diese letzteren sind nicht immer einwandfrei, weil man unmittelbar neben ihnen in Kalksteintrögen das Vieh tränkt, es auch mit Hilfe kleiner Lontarblatt-Eimerchen begießt, und die Ausscheidungen mit dem verschütteten Wasser ohne genügende Filtration wieder in die Brunnen gelangen. Oft genug treten daher in den auf solche Brunnen angewiesenen Dörfern schwere Seuchen auf. An der Südküste geht die Wasserversorgung unter ganz besonders schwierigen Begleiterscheinungen vor sich. Auf einfachsten Leitern, die nur aus in Gesteinslöcher gesteckten Knüppeln bestehen, steigen die zu einer straffen Gilde ("sekehe toja") zusammengeschlossenen Wasserträger oft mehr als 200 m zu den Quellen am Fuße der Felswände hinunter und halten sich dabei in kleinen, ausgehauenen Löchern im Gestein fest.

Bei der Anlage der Siedlungen nimmt man auf die zuweilen mit großer Heftigkeit wehenden Winde Rücksicht und baut in Täler oder in Lee der Hügelkuppen an die Hänge. Doch ebenso unabhängig wie vom nichtvorhandenen fließenden oder Quellwasser ist die Lage der Dörfer auch vom Vorhandensein bestimmter Baustoffe. Sie sind überall zur Hand. Nimmt man an der Küste Korallenbrocken, so im Landesinneren Kalksteintrümmer. Mit beiden kann man beim Aufbau der Wände durch verschiedene Schrägstellung der einzelnen Reihen gewisse Musterung erzielen (vgl. die Mauer auf Abb. 4). Zuweilen, aber nicht immer sind die Mauern oder zumindest die Sockel mit Lehm verputzt. In einigen Fällen, mit Vorliebe zu Tempelbauten, nimmt man auch sorgfältig behauene Blöcke in etwa doppelter Ziegelsteingröße. Über dem Sparrengerüst aus Bambu ruht das Dach aus trockenem Gras. Aus Kalkstein sind auch die Reisstampfblöcke, die neben den unvermeidlichen Hahnenkörben zum Inventar jedes Hofes gehören. Wie auf Bali teilt man auch hier die teils recht großen Dörfer in rechteckige Abteilungen für die einzelnen Großfamilien ein und umgibt jedes Gehöft mit einer wiederum aus Kalkbrocken bestehenden Mauer (Abb. 3). Zwischen ihnen verlaufen die schmalen Gänge. - Nur Toja Pakeh als vernehmlich malaiische Siedlung entbehrt dieser typischen balinesischen Dorfform. Wohl wahrt es ebenfalls den ummauerten Einzelfhof, nicht aber den Zusammenschluß aller Gehöfte zum engen Dorf. Überdies stört die kleine Moschee der Mohammedaner den balinesischen Eindruck.

Eine ebenfalls mit Kalksteinmauern umgebene Tempelanlage fehlt in keinem Dorf. Außerdem gibt es keine ganze Reihe von besonders heiligen Kultstätten auf beherrschenden Hügeln oder unmittelbar an der Küste. Zu einigen von ihnen finden alljährlich bestimmten Festen allgemeine Wallfahrten statt. Manchmal befassen sie, wie die heiligen Stätten auf Bali, mehrstöckige Pagoden aus Holz, sind von großen Bäumen beschattet und vom starken Duft der für Tanz und Kult unentbehrlichen, cremefarbigen "djepoeng"-Blumen durchschwängert. Von Natur aus absonderlich geformte Steine, die hier und da bei der Geburt von Zwillingen oder aus ähnlichen, dem Animisten bedenklich erscheinenden Anlässen in den Mauerkranz eingebaut sind oder wohl auch auf einem besonderen Sockel stehen, fallen als Zeichen eines primitiven, naturnahen Opferkultes besonderes auf. Daneben aber gibt es auch weißem Kalkstein gehauene eigenartige Tier- und Dämonenplastiken, Thronsessel für die Sonnengottheit (Abb. 4), Holzschnitzwerk an den Balken der im Tempelhof stehenden Versammlungshallen und ebenfalls im Tempel untergebrachte Masken für die großen Kultspiele von hoher Vollendung. Hier offenbart sich aufs deutlichste das Erbe des kunstsinnigsten Volkes der indischen Inselwelt, der Balinesen.

Wirtschaft

Würden an Stelle der in allen Fragen des Landbaues hochqualifizierten Balinesen extensive Brandbauer nach Penida verpflanzt worden sein, so wäre sehr wahrscheinlich binnen kurzem die Insel eine Wüstenei geworden, in der bestenfalls eine Handvoll armseligster Geschöpfe ihr Leben hätte fristen können. So aber kamen Bauern, die seit jeher gewohnt waren, aus ihrem Boden das Höchstmögliche herauszuholen. Doch völlig andere als die heimischen Verhältnisse trafen sie an; und es ist zu bewundern, mit welcher Zähigkeit und Anpassungsfähigkeit sie sich umstellten. Hier gab es weder die zum Landbau wie geschaffenen sanft ausgleitenden Mäntel der Vulkankegel, noch mineralreiche, sich immer wieder erneuende Vulkanboden, und vor allem nicht die geringste Möglichkeit zur Anlage von Bewässerungen. Nur eines ließ sich hier wie dort durchführen: der Terrassenbau, und er wird mit einer Sorgfalt betrieben, für die es kaum im Archipel einen Fleckchen brauchbarer Boden vorliegt, ist er für Kulturen ausgenutzt. Mit Hacke und Brecheisen werden die durchragenden Felszacken beseitigt. Peinlich werden alle Gesteinstrümmer von den Äckern entfernt. Sie werden zum Aufbau kleiner Mäuerchen ("Galangang") verwandt, die Terrasse auf Terrasse abgrenzen. Sie haben doppelten Zweck: sie sollen das Fortspülen von Boden nach Möglichkeit verhindern und eventuell zuschwemmenden abfangen. Bei der Anlage neuer Feldstücke baut man mit Vorbedacht so, da sich zunächst mit dem Regen herbeigespülter Boden in genügender Mächtigkeit ablagern kann. An den hufeisenförmigen Talschlüssen und in den Karstwannen liegen die größten Feldstücke. Hier werden auch Pflug und ein zweizinkiger, mit einem Sterz versehener Kultivator zum Auflockern des Bodens und Vernichten des Unkrautes in Anwendung gebracht. In den eingeschnürten Talverengungen zwischen den Hügeln werden die Terrassen immer schmaler, manchmal nur einen Meter breit, und erklettern steil die seitlichen Hänge. Hier ist nur Hackbau möglich; und auch das Jäten des Unkrautes geschieht mit Hacken, die aus einem scharfen, ein einen gespaltenen Stiel geklemmten Eisen bestehen, und zwar mit Vorliebe in hockender Stellung. Aber auch auf die Halbkugeln und sonstigen Erhebungen ziehen sich die Felder oft bis hoch hinauf und umfassen auf den ersteren meistens in geschlossenen Kreisen die ganze Kuppe.

1924 wurden 17 800 ha bebauten Landes vermessen, die zum weitaus größten Teil aus solchen Terrassenfeldern bestanden. (Bis zum Zeitpunkt der Vermessung waren übrigens, wie Gertis feststellte, von den Bewohnern nur 1500 ha angegeben und versteuert worden, wußten sie sich auf ihrer einsamen Insel doch fern jeglicher europäischen Kontrolle I) - Einen überaus erfreulichen Anblick gewähren diese mit unendlicher Sorgfalt angelegten und gepflegten Terrassenkulturen. Vom Bukit Mundi aus ist das Bild, das sich ringsum entrollt, unvergeßlich. In vielfacher Wiederholung liegen die Kreis- und Hufeisenterrassen an den Kuppen; in weit geschweiften Bogen umfassen die weißen Mäuerchen die Talschlüsse, ziehen sich in gewundenen Girlanden durch Engen und Schluchten, und holen aufs neue in weitem Schwunge aus. Weiß sind die rechteckig aufgeteilten Dörfer, die großen Tempelwerke eingebettet, und in der Tiefe vor den Küsten stehen die hellen Bänder der Brandung. Im Dunst verschwimmen die Nachbareilande Tjeningan und Lembongan, ohne daß man die schmalen trennenden Meeresterrassen wahrnehmen könnte.

Nur in den tiefsten, feuchteren Teilen der Hohlformen findet Trockenreis ("padi gaga") Wachstumsmöglichkeiten. Weiter hinauf überwiegt Mais, der auf Penida als Grundlage der Ernährung anzusehen ist. Bohnen, Knollen, Schotenpfeffer, aus Baumwolle (Kapok) werden als Mischkulturen zwischen Mais und Resi gepflanzt. Überdies sind Kokospalmen, die hier nur wenig unter der gefährlichen Palmratte zu leiden haben, in kleinen Gruppen allenthalben, in der Tieflandsbucht um Toja Pakeh und auf Lembongan auch in weiten Beständen vorhanden. Bei den Dörfern finden sich außerdem wenige Fruchtbäume und Durian, daneben Betelpalm, Sirihpfefferranken und Bambugebüsche. Doch für die Ernährung oder gar für den Handel spielen die Früchte keine Rolle; überaus eintönig ist die tägliche Kost. Da der Reis in der Regel für festliche Gelegenheiten aufgespart wird, gibt es Tag für Tag Maisbrei, gegen Ende der Vorrätige gemischt Kassaveflocken oder mit Mehl, das aus gedörrten Scheiben der Kassaveknollen gestampft wird. Dazu bekamen wir bestenfalls sin paar frische oder geröstete Bohnen vorgesetzt, Klößchen aus Kokosraspel in Pfeffertunke und, soweit vorhanden, Beikost aus der See.

Aber in keinem Jahre reichen die Nahrungsmittel völlig aus. Gertis nennt z. B. für 1923 unter der Gesamteinfuhr im Werte von 61 300 Gulden für 50 000 Gulden Nahrungsmittel, und zwar fast ausschließlich Reis, zu vier Fünfteln von Bali, zu einem Fünftel von Lombok. Der Rest waren zur Hauptsache Petroleum und Gewebe, doch wird auf der Insel auch noch viel im Eigenbetrieb gesponnen, mit Pflanzensäften gefärbt und gewebt. Auf zwei kleinen Märkten in Sampalan und Toja Pakeh werden diese Waren und sonstigen Handelsobjekte umgeschlagen. - Die Ausfuhr erreichte im gleichen Jahre einen Wert von 134 700 Gulden, das wären etwa 6 1/2 Gulden auf den Kopf der Bevölkerung. Neben rund 80 Tonnen Kopra registrierten in dieser Ziffer 1091 Rinder und 1927 Schweine, die durchweg als lebendes Schlachtvieh nach Bali verkauft wurden. Das unbewohnte Tjeningan verzeichnet bemerkungswerterweise eine vergleichsweise sehr hohe Ausfuhrziffer; doch spielt sie volkswirtschaftlich nicht die geringste Rolle. Es handelt sich um die Ernten von eßbaren Vogelnestern aus einer Grotte, die jeweils für drei Jahre an einen chinesischen Unternehmer für eine hohe Summe (1923: 9000 Gulden!) verpachtet wird. Sie lieferte in genanntem Jahre 450 kg Nester im Werte von rund 23 000 Gulden!

Der gesamte Viehbestand betrug nach Gertis 1923 mehr als 8000 Rinder und fast 11 000 Schweine, eine verhältnismäßig hohe Ziffer. Büffel und Pferde gibt es nicht. Vor allem die höchste Teile der Hügel, auf denen sich keine brauchbare Erde durch Anschwemmungen sammeln läßt, dienen als Weidegrunde. Viehwirtschaft und Koprabereitung sind die einzigen nennenswerten Einnahmequellen der Bevölkerung, die in erster Linie auf Selbstversorgung eingestellt ist. An der Küste bieten die Fischerei, vor allem bei Nacht mit Fackeln, und das Absammeln des Riffes bei Ebbe, sowie die Salzbereitung in der gleichen primitiven Weise, wie sie für die Nordküste Balis beschrieben wurde [vgl. Helbig a.a.O.], den Haupterwerb. Die Küstenschifffahrt in kleinen Prahus und Auslegerbooten (djoekoeng) nach Bali und Lombok liegt dagegen vornehmlich in Händen mohammedanischer Balinesen und Malaien; irgendeine geregelte Dampf - oder motorisierte Verbindung besteht nicht.
Verwaltung

Nusa Penida ist ein vortrefflicher Beweis dafür, was selbst aus den benachteiligten Landschaften herauszuholen ist, wenn nur die geeigneten Siedler angesetzt werden. Wenn auch die Holländische Verwaltung, die sich erst nach 1912 erstmalig mit der Insel befaßte, keinerlei Überschlüsse aus ihr erwarten kann, so gibt sie sich doch redlich Mühe, dieses beträchtliche Kontingent von Selbstversorgern bei ihrem schwierigen Dasein zu unterstützen. Beseitigung der Seuchengefahr durch Aufklärung und gelegentliche Überwachsung der Brunnenverhältnisse sowie Maßnahmen zur Sicherstellung von Wasser auch abseits der Brunnenzone und von Reis bei Hungersnöten betrachtet sie als ihre vornehmsten Aufgaben. Neben der Vermehrung der üblichen Regenfänger hat sie auf der Hochfläche einige große Regentanks aus Kalksteinen mit Zuleitung aus Schluchten erbauen lassen, um bei allzulanger Dürre Katastrophen vorzubeugen, und auch, um die beschwerlichen Märsche mit dem Vieh zur Tränke an den Küstenbrunnen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Ein vor mir besuchter Tank bei Tanglad maß ca. 25 m Durchmesser bei ca. 10 m Tiefe und erschien mir allerdings viel zu groß für die spärlichen Niederschläge. Ausreichend Wasser, und ausreichende Zufuhr von Nahrungsmitteln bei Mißernten sind die beiden Faktoren, die über das ganze Leben der Insel entscheiden. Wenn die mitgeteilten Zahlen nicht nur aus verschieden exakt durchgeführten Schätzungen bzw. Zahlungen resultieren, sondern wirklich stimmen, hätte sich die Bevölkerung der Hauptinsel von 1928 (20 475 Bewohner) bis 1930 (22 300) um fast ein Zehntel, bis 1937 um noch mehr erhöht. Daraus ist wohl am besten zu schließen, daß alles getan wird, um die Lebensbedingungen zu verbessern. - Schon liegen auch Versuche vor, um den geistigen Zustand der überaus rückständigen und scheuen, aber doch neu und wißgierigen, im Grunde genommen kindlich heiteren Bevölkerung zu heben. Im Verwaltungsplatz Sampalan (der der Unterabteilung Klungkung in Süd-Bali untersteht), auf Lembongan und in Sakti, einem großen Dorf auf der Mittelstufe im Westteil Penidas, sind in den letzten Jahren Schulen eröffnet worden. In der letztgenannten unterrichteten während meines Besuches zwei balinesische Lehrer 90 Kinder, darunter bereits 15 Mädchen!

Source

  • Helbig, Karl - Nusa Penida, eine tropische Karstinsel, Hamburg-Blankensee. Mit 2 Textfiguren und 2 Tafeln, Abb. 1-6, In: Mitteilungen der Graphischen Gesellschaft in Hamburg, Band 47 (1941), Mitteilungen XI.VII, Koninklijk Instituut voor Taal-, Land en Volkenkunde, 4-3-1988 (j-285-/1/), p.393-409

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