Cepuk cloths from Bali & Nusa Penida (Nabholz, 1992)

Below article by Brigitta Hauser-Schäublin, Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff & Urs Ramseyer, was published in a guide for a temporary exibition “Das Bekleidete Universum - Textilien in Bali“ (The Dressed Universe - Textiles in Bali) at the Museum für Völkerkunde Basel, Switserland, October 1991, later published as: "Cepuk: magische Gewebe aus Südbali und Nusa Penida; Cepuk: tissus magique du sud de Bali et de Nusa Penida; in: 'Textil-Forum, 53' (1992), pp 4-17. It highlights the use of Cepuk Ikat cloths from Bali & Nusa Penida. Below texts are in German and French, an English translation is forthcoming.

Ikatgewebe in Bali: Cepuk - Magische Gewebe aus Südbali und Nusa Penida

Textilkunst in Bali: spontan erinnern wir uns an kostbare Ikatstoffe (vgl. 1991/4) und glitzernde Goldgewebe - einst Statussymbole einer höfischen Kultur, heute Abzeichen eines gehobenen sozialen Status bei Festlichkeiten. Und wir werden später (vgl. 1992/2) Geringsing-Tücher kennen lernen - archaisch anmutende Doppelikatgewebe, Höhepunkte eines technisch und gestalterisch äußerst raffinierten Textilschaffens. Wenn balinesische Bekannte mich nach dem Grund meiner Arbeit bei ihnen fragten und das Stichwort "Textilien" horten, kam unmittelbar der Kommentar: "a ya, geringsing". Horten sie aber von meinem Interesse an Cepuk-Tüchern, jenen nicht minder geheimnisvollen, rotgrundigen Ikatstoffen, dann schüttelten die meisten den Kopf: "nie gehört". Nur altere Menschen, vorab Angehörige der ehemaligen Fürstenfamilien, Opferspezialistinnen, Laien- und Brahmanenpriester und Priesterinnen reagierten auf dieses Wort, begannen von diesen Geweben zu erzählen. "Kuno" seien sie - uralt -, "asli" urbalinesisch, reinigend, schützend, abwehrend, stark, magisch, fruchtbar und entsetzlich.

In ihrer Grundstruktur folgen alle Cepuk-Tücher dem gleichen Kanon (Abb.1): roter Grund, strenge Rahmenstruktur aus feinen weißen, schwarzen, blauen und gelben uni Linien, Mittelfeld und breitere Rahmenstreifen mit geometrischen oder abstrahierten floralen Ikatmustern, erzielt in Schussikat-Technik. Variationen ergeben sich im Format, im proportionalen Verhältnis von Mittelfeld und Rahmenbordüren, im Material - grobe handgesponnene Baumwolle oder feineres Industriegarn, selten Seide, im Farbton des Grundes - von tiefem Purpur oder Braunrot bis zu erdigen Ziegelrot - und knalligen Feuerwehrrot-Nuancen. Auf keinem Cepuk jedoch fehlen die dominanten Reihen aus weißen Pfeilspitzen, die die seitlichen Längsbänder begrenzen. Noch heute werden sie allgemein "gigi Barong" genannt, Zähne des mächtigen Schutzgeistes Barong.

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Image 1: Cepuk-Gewebe. Baumwolle. Sudbali, urn 1900 / Etoffe; Cepuk-coton. Sud de Bali. Env. 1900- Photo P. Horner

Innerhalb des strengen Struktur-Kanons ist die Vielfalt an Ikatmustern erstaunlich und zeigt, dass die Tradition der Cepuk-Weberei in Bali auf eine lange Vergangenheit zurückblickt und einst wohl große regionale Verbreitung hatte. Allein bei den älteren Beispielen im Museum für Volkerkunde Basel lassen sich über zwanzig verschiedene Typen von Mittelfeldmustern mit Varianten nachweisen. Rauten, Sterne, Kreuze, Kreise, geometrisch stilisierte Blumen und Blütenzweige überziehen in einem dichten Netz von kleinen, sich wiederholenden Rapporten das Mittelfeld.

Die komplizierte Herstellung gleicht im großen Ganzen dem früher geschilderten Verfahren für Endek-Stoffe (1991/4, S. 11-13). Im Gegensatz zu dem in ganz Bali blühenden Endek-Handwerk stellen nur noch wenige Weberinnen auf der kleinen Nachbarinsel Nusa Penida heute Cepuk-Stoffe her. Wie in alten Zeiten benutzen sie einfache Einrichtungen zum Farben der Strange (Abb. 2), zum Schären von Ketten und das archaische cagcag-Webgerät (Abb.3). Die äußerst präzis gearbeiteten Muster entsprechen den alten Formen, sind jedoch mit synthetischen Farbstoffen grellbunt gestaltet.

Seit einigen Jahren haben einzelne Weberinnen begonnen, recht große figürliche Muster herzustellen, Elefanten beispielsweise, mythische Heldenfiguren oder auch die Reisgöttin Déwi Sri. Es scheint jedoch, dass diese neuen Kreationen nicht rituellen, sondern rein dekorativen Zwecken dienen. Sie tauchen auch in Art Shops in Kuta oder Sanur auf, wo sie manchmal als alte Stücke gehandelt werden.

In Denpasar wird zur Zeit nur noch in einer einzigen Werkstatt ein Typ mit recht verschwommener Musterung gewoben und eine andere produziert billige kleine cepuk-Tücher aus Rayon, deren Ikatmuster sich auf wenige weiße Flecken im Mittelteil beschränken.

Vergleicht man schöne alte Cepuk-Gewebe (Abb. 1,5) mit modernen Erzeugnissen (Abb. 7,8), so wird der Verlust überdeutlich und wir vermögen auch zu verstehen, warum manche Balinesen diesen neuen Tüchern ihre innere Kraft absprechen. Noch sehe ich jenen jungen Mann aus einer Fürstenfamilie aus Nord-Tabanan vor Augen, wie er einen grell-farbigen modernen Cepuk in die Hände nahm, das Material behutsam durch seine Finger gleiten ließ, mehrmals, daran roch und dann energisch den Kopf schüttelte: "Nein, dies ist kein richtiger Cepuk, den kann man für Rituale nicht gebrauchen".

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Image 2: Stellenweises Färben von Cepuk-Garnbündeln. Modernes Muster mit großen Figuren aus dem Heldenepos Ramayana. Nusa Penida, 1989 / Teinture partielle de faisceaux pour un cepuk-Dessin moderne représentant des heros tirés de l'épopée du Ramayana-Nusa Penida, 1989. Photo M.L. Nabholz-Kartaschoff

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Image 3: Weben eines Cepuk-Tuchs auf dem traditionellen cagcag-Webgerat / Tissage d'un cepuk sur un métier traditionnel cagcag. Nusa Penida, 1988. Photo M.L. Nabholz-Kartaschoff

Und noch ist mir das Gelächter von Weberinnen in Nusa Penida in den Ohren, beim Anblick eines in der Hauptstadt hergestellten Tuches: "Aber nein, das ist kein echter Cepuk, den hat ein Kind oder eine Anfängerin gewoben!" Und doch ist da auch die balinesische Großzügigkeit und Fähigkeit zur Adaptation in der Äußerung einer der Ehefrauen des 1987 verstorbenen Fürsten von Tabanan: "Wenn man eben keinen alten Cepuk mehr besitzt, geht es auch mit einem neuen. Nur fanatische Leute sind gegen den Gebrauch eines solchen modernen Stoffes bei Ritualen".

So wird denn verständlicherweise mit alten Cepuk-Tüchern äußerst sorgsam umgegangen. Man hütet sie als kostbaren Familienschatz wie andere Ritualobjekte, Lontarschriften beispielsweise oder Waffen. Sind sie einmal völlig zerschlissen, so werden sie nicht einfach weggeworfen wie unbeseelte Objekte. In Kerambitan (Tabanan) verbrannte der damalige Priester des Totentempels 1939 den von Insekten völlig zerfressenen Tempel-Cepuk zu Asche, damit er ins Jenseits übergehen. Manche Familien bewahren Fragmente von zerfetzten Cepuk-Geweben über Jahre hinweg ganz oben im Dachgebälk der Reisspeicher auf. Nur noch selten und ungern leiht man die sakralen Tücher für Rituale außerhalb des eigenen Gehöfts aus, aus Angst, sie konnten verschwinden.

Wie sind nun Bedeutung und Verwendung von Cepuk-Geweben bei Ritualen und Festen?

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Image 7: Kremationsturm mit Cepuk-Gewebe für einen verstorbenen Priester / Tour de crémation avec un cepuk destiné a un prêtre décedé. Tabanan. 1990. Photo M.L. Nabholz-Kartaschoff

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Image 8: Relief der Göttin Durga mit Cepuk-Hüfttuch anlässlich eines Tempelfestes / Relief de la déesse Durga portant un cepuk sur les hanches, lors de la fete d'un temple, Sanur, 1990. Photo B. Hauser-Schaublin

Cepuk für Götter und Dämonen

Von den festlich gekleideten Menschen bei den farbenprächtigen Tempelfesten war schon im letzten Beitrag die Rede; heute geht es um Textilien als Schmuck und Kleidung für sakrale Bauten, Schreine, Götter und Dämonen bei Tempelfeiern und Familienfesten. Immer seltener sind zwar heute Cepuk-Stoffe zu sehen, doch in Südbali lassen sie sich noch hie und da entdecken.

Im Hinduismus geprägten Bali gibt es Abertausende von Tempeln: überregionale und regionale Tempel, zu denen Menschen aus ganz Bali pilgern. Auch jedes Dorf hat drei wichtige Tempel für die ganze Dorfgemeinschaft, die den wichtigsten hinduistischen Gottheiten zugeordnet sind: Brahma, dem Schöpfer, Visnu, dem Erhalter, Shiva, dem Zerstörer. Andere Tempel wiederum sind bestimmten Quartieren, Bevölkerungsgruppen oder Verwandschaftsverbanden zugeordnet.

Schließlich hat jedes Familiengehöft eine sakrale Anlage: in einer armen Familie besteht sie vielleicht nur aus einem einzigen kleinen Schrein, in einer angesehenen kann sie reich ausgestattet sein mit vielen Schreinen, Hallen und Skulpturen.

Im Alltag wirken diese religiösen Anlagen grau, verlassen, öde - aber einmal im Jahr haben sie - wie ein Mensch - ihren Geburtstag. Dann steigen die Götter, die vergöttlichten Ahnen und auch die dämonischen niederweltlichen Gottheiten nieder, beleben dieses leere Gefäß. Tage vor dem eigentlichen Fest beginnen emsige Vorbereitungen: alles wird sorgfältig gereinigt, mit Textilien, Ehrenschirmen, Fahnen und Behangen aller Art geschmückt. Opfer werden dargebracht, um die Gottheiten würdig zu empfangen.

Am Vorabend des Beginn des Festes werden die Göttersitze - symbolische Figuren aus den Schreinen genommen und feierlich mit Stoffen und Blumen geschmückt wie menschliche Wesen. Zur "Kleidung" gehören verschiedene Tücher, als Unterhüfttuch Cepuk-Gewebe. Bevor diese aber um die Figuren drapiert werden können, müssen sie rituell gereinigt und geweiht werden. Priester bringen vor den zusammengefalteten Tücher Opfergaben dar, entzünden Weihrauchstäbchen, versprengen heiliges Wasser und rufen die Götter an, diese Tücher zu läutern und anzunehmen.

Früh am nächsten Morgen begleiten Hunderte von Menschen unter den Klangen von Musik in einer Prozession den Göttersitz viele Kilometer weit ans Meer. Hier beten die Priester und laden die göttlichen Mächte zum Feste ein, bitten sie Einsitz zu nehmen und sich zum Tempel zurücktragen zu lassen. Später am Tag begleiten sie den Göttersitz zu einer heiligen Quelle beim Dorf. Dort wird die Gottheit symbolisch gebadet, gekämmt, mit duftenden Essenzen parfümiert. Dann wird sie mit Opfergaben und Tanzen ehrenvoll empfangen und in den Tempel eingeladen. Ihre Präsenz wird spürbar. Alle Gläubigen sind im traditionellen Stil festlich gekleidet - ganz selten entdeckt man auch in dieser Festtracht Cepuk-Stoffe, als Gürtel, als Hüfttuch. Wenn die Gottheit mitten im Tempel inmitten einer Fülle von Opfergaben aufgestellt ist (Abb. 4), beginnt das eigentliche Fest. Die Dorfbewohner bringen ihre Opfergaben, sitzen und knien nieder, beten, empfangen Weihwasser, Blumen und Reiskörner von den Priestern.

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Image 4: Göttersitz, anlässlich eines Tempelfests mit Cepuk-Tuch bekleidet / Siège d'un dieu couvert d'un cepuk pendant la fête d'un temple. Tabana. 1990. Photo M.L. Nabholz-Kartaschoff

Die ganze Nacht wird aus religiösen Schriften gelesen und gesungen, Musik und der Duft von Weihrauch und Blumen erfüllen den Tempel. Maskentänze oder Schattenspiele werden zu Ehren der Götter aufgeführt.

Irgendwann in der Nacht erscheint dann auf der Straßenkreuzung vor dem Tempel unter Musik-Klangen die grauenvolle Hexe Rangda (Abb. 5,6). Denn auch die dunklen Machte sind gegenwärtig, auch ihnen wird geopfert und Ehre erwiesen.

Ehrfurchtsvoll wird Rangda als Beschützerin und Helferin verehrt und gleichzeitig gefürchtet. Denn sie personifiziert das Urbild der Witwe und die Herrin aller Hexen, die sie begleiten. Unter der angsterregenden Maske mit ihrer wilden langen Mähne verbirgt sich ihre magische Kleidung, die ihr gleichzeitig dämonische Krafte verleiht und sie vor ihrem löwengestaltigen Gegner und den gezückten Waffen dessen aggressiver Begleiter schützt.

Über mit rotschwarzen Stoffbändern und Fellstreifen besetzten Hosen und Hemd tragt sie einen physisch und magisch wirkenden Brustpanzer aus meterlangen weißen, schwarzen und schwarz-weiß karierten Bändern, zwischen denen die  rüste hervorbaumeln. Und um die Hüften ist ein Cepuk geschlungen, deutlich als Unterhüfttuch bezeichnet und damit den hässlichen Körper erst recht halbnackt darstellend. Dieser Cepuk ist von aktiver magischer Kraft erfüllt. Kein noch so starker Tanzer würde es wagen, die Schreckensgestalt Rangda oder ihre Helferinnen ohne diesen Schutz zu verkörpern. Bevor ein Tuch aber diese exorzistische Funktion ausüben kann, muss es wie die Maske selber von einem Priester durch spezielle Mantras und Opfer mit spiritueller Kraft gestärkt werden, in einem Toten- oder Friedhoftempel und um Mitternacht eines besonderen Tages. Dieser Zusammenhang lässt die Balinesen einen Cepuk auch als "grauenhaft" und "entsetzlich" bezeichnen.

Doch zurück zum Tempelfest: Am nächsten Tag oder nach Tagen - je nach Bedeutung des Festes - ist alles vorbei: die Weltordnung ist wiederhergestellt, die Gemeinschaft gefestigt. Götter und Dämonen kehren zurück in die heiligen Berge, in das gefährliche Meer. Die Figuren werden in die Schreine eingeschlossen, all die Tücher, Behange, Fahnen versorgt, die Menschen kehren in den Alltag zurück.

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Image 5: Die Hexe Rangda, bekleidet mit einem Cepuk-Hüfttuch, tanzt vor dem Totentempel / Vêtue d'un cepuk, la sorcière Rangda danse devant le temple des morts. Tabanan. 1990. Photo M.L. Nabholz-Kartaschoff

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Image 6: Steinfigur der Hexe Rangda vor Cepuk-Gewebe. Museum für Völkerkunde Basel / Statue de pierre représentant la sorcière Rangda, devant un cepuk. Musee d'ethnographie de Bâle. Photo P. Horner

Cepuk für lebende und verstorbene Menschen

Doch nicht nur Götter und Dämonen tragen die geheimnisvollen Tücher, auch bei anderen Gelegenheiten werden Cepuk gebraucht. Das Leben der Balinesen ist geprägt von Religion und von einer Vielzahl von Ritualen und Festen auf verschiedenen Stufen, die sie ständig begleiten. Das fängt an bei einfachen Opferhandlungen für Götter und Dämonen, jeden Tag oder an bestimmten wichtigen Tagen, etwa bei Vollmond: ein wenig Reis und Blumen und kleine Opfergaben hinlegen in der Küche, am Bettchen eines Kleinkindes, vor dem Hauseingang, auf der Straßenkreuzung, bei allen Schreinen im Familientempel, bei heiligen Baumen... Das geht weiter an allen Festen im Lebenslauf der einzelnen Menschen von der Geburt bis zum Tod, an Festen für bestimmte Objekte wie z.B. Musikinstrumente, Webgeräte, für Gebäude oder sogar für Autos.

Ein ganz wichtiger Sinn ist dabei stets die Reinigung und der Schutz von Menschen und Objekten vor allen bösen und schlechten Einflüssen, die ihr Wohlergehen und Wohlverhalten und dasjenige der Gemeinschaft, der ganzen Umwelt und das Gleichgewicht zwischen Gut und Bose stören und letztlich die Wiedergeburt verhindern könnten. Mittel, Wege oder Vehikel für diese Reinigung sind mannigfaltiger Art: heiliges Wasser, Feuer, Asche, Weihrauch, Berührung mit Objekten, die Reinheit symbolisieren, wie Reiskörner, Eier, bestimmte Blumen oder Tiere, das Lesen und Singen von heiligen Schriften, Musik, Tanz - und traditionelle Kleidung, besondere Textilien - zum Beispiel auch Cepuk-Tücher.

Die wichtigsten Riten im Leben eines Menschen werden rund um die Geburt, beim ersten Geburtstag, in der Zeit der Pubertät und bei der Hochzeit gefeiert. Sie verfolgen den Zweck, den heranwachsenden Menschen in mehreren Etappen von Makeln, Sünden und Versuchungen zu befreien und ihn damit seelisch und körperlich für die Heirat und die Begründung einer Familie vorzubereiten.

Ein paar Beispiele, wie dann Cepuk-Gewebe verwendet werden. Am großen Geburtstagsfest einer kleinen Fürstentochter versammeln sich die Familienangehörigen vor dem Brahmanenpriester, um die komplizierten Opferhandlungen und Rituale zur Reinigung und zur physischen und geistigen Stärkung des Kindes durchzuführen. Damit vollzieht das Kind den symbolischen Schritt vom noch völlig unschuldigen, als göttlich betrachteten Wesen zum Menschen mit all seinen Verantwortungen als Mitglied der Gemeinschaft. Neben der Plattform, wo der Priester sein Offizium durchführt, steht ein kleiner Tisch mit den wichtigsten Opfergaben, Kultgegenstanden und Weihwasserbehältern auf einem ausgebreiteten Cepuk-Tuch, das dem Ort Reinheit verleiht. Bei diesem Fest hat ein Cepuk-Gewebe die Funktion, einen Ort für Opfergaben und Kultgeräte rein zu machen und vor bösen Einflüssen zu schützen.

Im Rahmen der Zahnfeilung üben Cepuk ebenfalls vor allem schützende Funktion aus. In diesem ganz wichtigen Übergangsritual wird jungen Männern und Frauen, in der Regel in der Pubertät, die untere Kante der oberen Zahnreihe zu einer geraden Linie geschliffen. Denn unregelmäßige Zahne werden als hässlich und als Ausdruck von ungezügeltem Charakter empfunden. Neben der Verschönerung gilt es, die negativen Aspekte oder inneren Feinde eines Menschens zu bannen. Durch das Zurückfeilen wird ihr Einfluss beschrankt. Dies macht den Menschen zu einem gesunden, verantwortungsvollen und integrierten Mitglied der Familie und größeren Gemeinschaft. Als Unterlage halten Cepuk-Gewebe verunreinigende und schädliche Einflüsse von Opfergaben fern. Aber auch den sich der Feilung unterziehenden Menschen gewahren sie Schutz, als Baldachin über dem Ort des Feilens und als Säulenverkleidung, als Unterlage auf dem Bett.

Auch im Rahmen von Hochzeitsfesten, die mit großem Aufwand gefeiert werden, werden manchmal Cepuk-Tücher gebraucht. Die Hochzeit findet stets in der Familie des Bräutigams statt, und ein wesentlicher Aspekt ist der rituelle Empfang der Braut in ihre neue Familiengemeinschaft der Lebenden und Verstorbenen. Bei dieser symbolischen Aufnahme stellt sich das junge Paar den Ahnen in einem pavillonartigen Zeremonial-Gebäude vor, dessen Holzsäulen mit Cepuk-Tüchern umwickelt sein können. Diese sind nicht einfach nur Schmuckelement: sie dienen einerseits dazu, den Ort für die vergöttlichten Ahnen ehrenvoll herzurichten, mit alten Stoffen aus dem Familienschatz, die den Ahnen bekannt sind. Andererseits helfen sie mit, das Gebäude selbst lebendig zu machen, mit Kraft und Inspiration zu erfüllen indem es bekleidet wird wie ein menschliches Wesen.

Noch immer sind Cepuk-Tücher auch bei Totenritualen zu sehen. Auch hier eine Vielzahl von äußerst komplizierten Zeremonien, die sich über Jahre hin erstrecken können, vom Tod bis zum ersehnten Augenblick, da die vergöttlichten Ahnenseelen in die Familienschreine einkehren. Nach balinesischer Vorstellung ist der Körper nur ein materielles temporares Gefäß für die Seele, den es gilt in die fünf Elementen zurückzuführen. Die Seele aber wird dereinst wieder zurückkehren und in einem neuen Körper reinkarniert. Dies erklärt zum Teil, warum Totenrituale in Bali auf Außenstehende fröhlich, heiter, farbig, ohne sichtbare Trauer und Beklommenheit wirken. Das heißt aber nicht, dass die nächsten Familienmitglieder keinen Schmerz empfanden, nur - er darf nicht gezeigt werden, denn Trauer würde die Seele an ihrem Fortgehen ins Jenseits stören. Durch die Kremation wird die Seele endgültig von ihrer materiellen Hülle befreit.

Wenn ein Angehöriger einer sozial hochstehenden Familie verstorben ist, werden über die inmitten von Opfergaben und Ritualobjekten aufgebahrte Leiche viele Tücher und zuoberst ein Cepuk-Gewebe ausgebreitet. Als im bergigen Norden Tabanans ein bedeutender Priester eines in der Nahe gelegenen berühmten Bergtempels verstorben war, wurde seine Leiche auf dem riesigen Kremationsturm zum Friedhof getragen - auf einem Cepuk-Gewebe ruhend, das böse Einflüsse fernhalten sollte (Abb.7). Früher wurden solche Tücher mitverbrannt. Heute werden sie für weitere Verwendung aufbewahrt, müssen aber nach der Kremation von einem Priester mit Weihwasser, Opfern und einem speziellen Mantra wieder geläutert werden.

Wenn in einem Tempel bestehende Schreine renoviert oder neue dazugebaut werden, muss die Anlage zum Empfang der Götter und Ahnen wieder geläutert werden. Die unzähligen Opfergaben, Kultobjekte und reich geschmückten Symbole, in denen die Ahnen Einsitz genommen haben, stehen dann auf einem Cepuk-Tuch, das diesem Ort besondere Reinheit verleiht.

Noch ein letztes eindrückliches Beispiel für die Verwendung von Cepuk-Stoffen: in einem Totentempel in Intaran wird am Jahresfest die Relieffigur, die zugleich der Sitz der mächtigen Göttin Durga ist, mit zwei Cepuk-Stoffen als Hüfttucher behangen (Abb. 8). Sie weisen auf die Verbindung zur schrecklichen Dämonengestalt der Rangda hin.

Schutz, Abwehr, Exorzismus, rituelle Reinheit, Heilung, Furcht und Abschreckung - solche vieldeutigen Vorstellungen sind in Bali mit Cepuk-Tüchern verbunden. Sie gewähren Schutz vor Gefahren und Unreinheiten, die dem Bereich des Irdischen und Unterirdischen anhaften und denen insbesondere Kultpersonen und -objekte ausgesetzt sind. Indem die magischen Gewebe die bedrohlichen Kräfte mit ihren eigenen Energien abwehren, schützen sie Ritualteilnehmer, Kultobjekte und Opfergaben vor dem Verlust ritueller Reinheit. Als Bestandteil der Kleidung beschützen sie Menschen in gefährlichen Situationen des Übergangs von einer Daseinsphase zur nächsten und im dramatischen Kampf zwischen Gut und Böse. Als

Unterlagen von Kultgegenstanden, Götterfiguren und Ritualpersonen bilden sie Barrieren zwischen der heiligen, reinen Sphäre und dem Profanen, von dem potentiell Unreinheit und Gefahr drohen. Infolge der Ambivalenz ihres Kräftepotentials spielen beide sowohl in der weissen als auch in der schwarzen Magie eine bedeutende Rolle.

Publikation zur Ausstellung:

Textilien in Bali: von Brigitta Hauser-Schäublin, Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff und Urs Ramseyer; Berkeley-Singapore 1991, 143 Seiten, 115 Farbabbildungen, Fr. 47 - plus Porto und Verpackung. Erhältlich oder schriftlich zu bestellen im Museum für Volkerkunde Basel, Postfach 1048, 4001 Basel, Tel. 061 266 56 32

Große Sonderausstellung

Das Bekleidete Universum - Textilien in Bali; Museum für Völkerkunde Basel; Augustinergasse 2, 4001 Basel; Öffnungszeiten:- bis 31. Oktober 1991: 10-17.00 Uhr (außer Montag), - 1.November 1991 - 15. Marz 1992: 10-12.00 und 14-17.00 Uhr (außer Montag); Gruppenführungen auf Anfrage (bitte rechtzeitig im voraus): Tel. 061 266 56 32 oder 266 56 42; Die Ausstellung stellt viele hervorragende Beispiele aus der international bekannten Basler Sammlung vor. Sie gibt Einblick in Herstellungsprozesse und Tragweisen und zeigt die wichtigsten textilen Gattungen in ihrer komplexen symbolischen Bedeutung und in ihrem vielfaltigen Gebrauch in Ritual und Gesellschaft.

FRENCH TEXT:

L'lkat à Bali CEPUK- tissus magique du Sud de Bali et de Nusa Penida

Quand on évoque l'art textile de Bali, on pense immédiatement aux ikats et aux étoffes brochées d'or; ces étoffes symbolisaient autrefois le rang social de la communauté aristocratique; elles représentent aujourd'hui un statut social élevé, lors des festivités importantes. Dans le prochain article (TFT 1992/2), nous parlerons plus en détail des étoffes geringsing, tissus archaïques en double ikat, qui représentent le sommet de la création textile, aussi bien au niveau technique qu'artistique. Quand mes amis balinais me questionnent sur les raisons de mon travail chez eux, et que je leur réponds simplement :"les étoffes", ils me rétorquent invariablement: "ah oui, le geringsing!" Mais quand je leur dis que je m'intéresse aux mystérieux ikats sur fond rouge appelés "cepuk", ils secouent généralement la tête en disant: "Connais pas." Les seuls a réagir a ce mot et a m'en avoir parle, sont des gens âgés, surtout ceux venant d'une ancienne famille noble, ou des spécialistes des offrandes ou encore des prêtres et des prêtresses, laïques et brahmanes. Pour eux, ces étoffes sont "kuno", très anciennes, "asli", d'origine typiquement balinais, purificatrices, protectrices, défensives, fortes et magiques, mais aussi affreuses et épouvantables.

La structure fondamentale des tissus cepuk (ill. 1) obéit toujours aux mêmes règles: un fond rouge, de fines rayures blanches, noires, bleues et jaunes, encadrant une partie centrales entourée de deux bandes de chaque cote, couverts de motifs géométriques ou floraux en ikat de trame. Ce qui peut varier, c'est le format, les proportions de la partie centrale et des bordures, les matières premières (on trouve du gros coton file à la main, du coton industriel plus fin, rarement de la sole), la couleur du fond peut passer du pourpre sombre au rouge ardent le plus éclatant, en passant par le rouge brique.

Ce qui frappe sur tous ces cepuk sans exception, ce sont les bordures longitudinales avec leurs rangées de pointes de flèches blanches, qu'on appelle aujourd'hui encore "gigi barong", c'est-a-dire "dents de Barong", le puissant génie protecteur.

L'intérieur de ces règles strictes et précises, les motifs ikatés sont étonnamment varies, ce qui prouve l'ancienneté de la tradition du tissage cepuk, et son large essor a Bali. On trouve au moins une vingtaine de types de motifs centraux parmi les pièces anciennes du musée d'ethnographie de Bâle. II est admirable de voir comment les dessins se répètent, comment ils jouent entre eux en formant des losanges, des étoiles, des croix ou des cercles, comment ils dessinent des fleurs stylisées et géométriques, ou des branchages fleuris qui s'entrecroisent en un réseau serre.

Le processus de fabrication des cepuk, si long et complique, est pratiquement le même que pour les tissus endek dont nous avons déjà parle (cf TFT 1991/4, p.11-13) Au contraire du large essor pris par l'artisanat endek à Bali, les rares étoffes cepuk ne sont plus produites aujourd'hui que par quelques tisserandes habitant l’île voisine de Nusa Penida. Comme autrefois, elles utilisent des installations simples pour la teinture (ill.2) et l'ourdissage. Le tissage se fait sur les archaïques métiers cag-cag (ill.3). Les motifs sont tout aussi précis qu'avant, et suivent les mêmes règles. Mais les couleurs sont criardes, car on utilise des colorants synthétiques.

Depuis quelques années, certaines tisserandes se sont mises à produire des dessins figuratifs plus grands, représentant par exemple des éléphants, des héros mythiques ou Dewi Sri, la déesse du riz. II semble toutefois que ces dessins récents soient purement décoratifs et qu'ils ne n'obéissent pas à des nécessités rituelles. On peut les acheter dans des boutiques d'artisanat à Kuta ou Sanur, ou on les fait parfois passer pour des antiquités.

Aujourd'hui a Denpasar, un seul atelier produit encore un type de cepuk, mais dont les dessins ne ressemblent que vaguement aux anciens, et un autre produit des tissus bon marche en rayonne, ou le motif central se résume a quelques taches blanches.

On est très déçu en comparant la beauté des anciens tissus cepuk (ill.1 et 5) à la pauvreté de la production actuelle (ill. 7 et 8), et on comprend bien pourquoi tant de Balinais n'arrivent pas a croire à la force intérieure de ces nouveaux tissus. Cela me rappelle un jeune homme d'origine noble, venant du nord Tabanan, que j'ai vu un jour prendre dans ses mains un cepuk moderne et criard, le tâter soigneusement, le faire glisser plusieurs fois entre ses doigts, le sentir, puis secouer vigoureusement la tète en disant: "Non, ce n'est pas un vrai cepuk, on ne peut pas l'utiliser pour des rituels". Et j'entends encore l'éclat de rire des tisserandes de Nusa Penida en voyant le tissu que j'avais rapporté de la capitale: "Oh non! Ce n'est pas un vrai cepuk, c 'est tisse par un enfant, ou par une débutante!" A ce propos, et pour prouver que les Balinais sont généreux et capable de s'adapter, j'entends encore la remarque que me faisait l'une des épouses du prince de Tabanan, mort en 1987: "Si on n'a plus de véritable cepuk ancien pour les rituels, on peut bien en utiliser un nouveau. Seuls des fanatiques refuseraient d'utiliser des tissus modernes."

On comprend pourquoi les Balinais prennent grand soin des anciens cepuk. Ils conservent précieusement ces trésors de famille avec les autres objets rituels, comme les livres sacres ou les armes. Même quand ils sont complètement usés, on ne les jette pas simplement comme des objets sans âme. En 1939 a Kerambitan (Tabanan), le prêtre d'un temple des morts a réduit en cendres un cepuk sacre, complètement ronge par la vermine, pour lui permettre de parvenir dans l'au-delà. Certaines familles conservent les Pambeaux d'un vieux cepuk pendant des années, tout en haut des poutres du grenier à riz. On ne les prête que très rarement pour des rituels, et à contre coeur si c'est en dehors de sa propre famille, tellement on a peur de les voir disparaître.

Mais quelle est la signification profonde d'un cepuk pendant les rituels et les fêtes? Comment les utilise-t-on?

Cepuk pour Dieux et les démons

Nous avons évoqué dans l’article précédent, les vêtements et les parures que les gens portent lors des grandes fêtes des temples. Nous parlerons aujourd'hui des étoffes qui décorent et habillent les édifices sacrés et les autels, les dieux et les démons, lors des fêtes des temples et des fêtes de familles. On n'y rencontre plus que très rarement des cepuk, sauf quelque fois dans le sud de Bali.

Bali est une lie imprégnée d'hindouisme, et les temples y foisonnent par milliers; ils protègent route l'île ou une région particulière, et c'est vers eux que convergent les nombreux pèlerins, venus de près ou de loin. Pour assurer la protection de sa propre communauté, chaque village ne compte pas moins de trois temples, consacrés aux plus importantes divinités hindouistes: Brahama, le Créateur, Vishnu, le Conservateur, et Shiva, le Destructeur. D'autres temples sont plus particulièrement réservés aux quartiers, à certains groupes de population, ou à des associations de famille et de parenté.

Chaque maison familiale comporte également un endroit sacre; dans une famille pauvre, c'est un simple autel; mais chez des gens notables, il peut s'agir de plusieurs autels, de bâtiments et de sculptures. Dans la vie quotidienne, ces constructions sacrales paraissent grises et abandonnées, voire désertes, comme des récipients vides; mais une fois par année, comme n'importe quel être humain, elles ont leur anniversaire. Ce jour-là, les dieux, les ancêtres déifiés, les divinités et les démons du monde d'en bas, descendent pour les animer. Les préparatifs de cette fête sont innombrables et laborieux, et commencent plusieurs jours avant. L'endroit doit être nettoyé très soigneusement. On le décore de tissus, de tentures, de parasols, de drapeaux et d'étendards de toutes sortes. On présente des offrandes pour accueillir dignement toutes les divinités.

Le soir précédent la fête proprement dire, on extrait des autels les sièges des dieux -qui en sont les figures symboliques -, on les décore d'étoffes gaies et de fleurs, comme s'ils étaient des êtres humains. Toutes sortes de tissus les couvrent et leur servent d'habillement.

Parmi toutes ces étoffes, on découvre parfois un cepuk, qui sert à couvrir le bas du corps. Mais avant de pouvoir utiliser ces tissus, il faut les purifier, et les consacrer. Ils sont pliées, et devant eux, des prêtres présentent des offrandes et allument des bâtonnets d'encens, ils les aspergent d'eau bénite et appellent les dieux afin que ces derniers les purifient et les acceptent.

Tôt le lendemain matin, au son de la musique, des centaines de personnes en procession accompagnent les sièges de dieux jusqu'à la mer, sur plusieurs kilomètres. La, les prêtres prient et invitent les forces divines a la fête, leur demandent de prendre place dans les sièges, et de se laisser emporter jusqu'au temple. Plus tard dans la journée, ils accompagnent les sièges divins jusqu'à la source sacrée, près du village. Là, on baigne symboliquement la divinité, on la peigne et la parfume d'essences aromatiques. On l'invite ensuite dans le temple ou l'accueil se fait dignement avec des offrandes et des danses. Sa présence est perceptible. Pour cette grande occasion, tous les croyants sont habilles dans le style traditionnel - mais là aussi, très rares sont les ceintures ou les pagnes en cepuk. Quand la divinité est installée dans le temple au milieu d'une profusion d'offrandes (ill.4), alors seulement la fête elle-même peut véritablement commencer. Les villageois apportent leurs offrandes, ils s'assaillent ou s'agenouillent, reçoivent des prêtres de l'eau bénite, des fleurs et des grains de riz. Toute la nuit, on lit des textes sacres et on chante; le temple est rempli de musique et d'encens. En l'honneur des dieux, on donne des spectacles de danse, de masques et de théâtre d'ombres.

A un moment quelconque de la nuit, dans un bruit de timbales, l'affreuse sorcière Rangda apparaît devant le temple, à la croisée des chemins (ill.5, 6). Car les forces noires sont également présentes, il faut aussi les honorer et leur apporter des offrandes. Rangda est honorée, parce qu'elle protège et secourt, tout en étant effrayante. Elle personnifie la veuve originelle; elle est accompagnée d'autres sorcières dont elle est la patronne. Son vêtement magique se dissimule sous sa longue crinière sauvage et son masque terrifiant. Ses habits magiques lui donnent des forces démoniaques et la protègent contre son adversaire accompagné de comparses agressifs, ayant sorti leurs armes.

Par-dessus sa chemise et ses pantalons garnis de rubans noires et rouges et de bandes de fourrures, elle porte sur la poitrine une cuirasse à la fois physique et magique; cette armure, à la fois physique et magique, est faite de très longues bandes noires et blanches, ou en damier noir-blanc, entre lesquelles pendillent ses seins. Autour des hanches, elle porte un cepuk enroulé comme un sous-vêtement pour donner l'illusion d'un affreux corps à moitié nu. Ce cepuk détient une force active et magique. Sans cette protection, aucun danseur, aussi fort soit-il, n'oserait représenter la créature effrayante de Rangda, ou l'une des ses comparses. Mais avant qu'un tissu puisse opérer cette fonction d'exorcisme, un prêtre doit le remplir de force spirituelle, au moyen d'offrandes spéciales et de mantras, tout comme le masque lui-même. Cela se passe à la minuit d'un jour déterminé, dans un temple des morts ou le temple d'un cimetière. C'est pour cette raison que les Balinais considèrent aussi un cepuk comme quelque chose d'horrible et d'épouvantable.

Mais revenons-en à la fête proprement dite: le jour suivant, ou plusieurs jours après, selon l'importance de la fête, tout est terminé: le monde est rentré dans l'ordre, la communauté tout entière s'en trouve fortifiée. Les dieux et les démons peuvent retourner dans les montagnes sacrées ou dans la mer dangereuse. Les effigies sacrées sont enfermées dans les autels, les tissus, les tentures et les bannières sont rangés, et les hommes retournent à leur vie quotidienne.

Des Cepuk pour les vivants et pour les morts

On n'utilise pas seulement les mystérieux cepuk pour habiller les dieux et les démons, mais aussi dans d'autres occasions. La vie des Balinais est empreinte de religion avec les nombreux rituels et toutes les sortes de fêtes que cela implique. Cela va de la simple offrande quotidienne aux dieux et aux démons à l'offrande effectué pour une circonstance particulière; on dépose par exemple un peu de riz, quelques fleurs et une petite obole dans la cuisine ou sur le berceau d'un petit infant, à l'entrée de la maison, à la croisée des chemins, ou près de tous les autels dans le temple familial, ou encore près des arbres sacres... On continue ainsi les fêtes tout au long de la vie, de la naissance a la mort, qu'il s'agisse d'un être humain ou d'un être inanimé comme un instrument de musique, un métier à tisser, un bâtiment, et même une voiture!

Le sens le plus important de ces rituels est qu'il faut purifier et protéger les hommes et les choses des influences néfastes et mauvaises. Ces pouvoirs néfastes pourraient les empêcher d'être prospères et de bien se conduire, ou encore perturber le fragile équilibre entre le bien et le mal, et pour finir, perturber la renaissance; il en va de même pour une communauté, ou pour l'univers tout entier. On utilise toutes sortes de moyens, de chemins ou de véhicules pour cette purification: l'eau bénite, le feu, les cendres, l'encens, l'attouchement avec des objets symbolisant la pureté comme des grains de riz, des oeufs, certaines fleurs et certains animaux par exemple, la lecture et le chant de textes sacres, la musique et la danse, les costumes traditionnels, et des tissus particuliers comme les cepuk.

Au cours de la vie d'un individu, les rituels les plus importants sont fêtes à sa naissance, à son premier anniversaire, lors de sa puberté et de son mariage. Le but de ces fêtes en différentes étapes est de libérer l'être grandissant des souillures, des pêchés et des tentations, et de le préparer spirituellement et physiquement au mariage et a l'établissement d'une famille.

Voici quelques exemples d'utilisation d'un tissu cepuk. Lorsque la petite-fille d'un prince a une grande fête d'anniversaire, tous les membres de la famille se réunissent devant le prêtre brahman pour accomplir les offrandes et les rituels compliques destinés a purifier l'enfant, à le rendre physiquement et spirituellement fort. Ceci permet à l'enfant d'effectuer un pas symbolique; ce pas doit lui permettre de passer du stade d'être parfaitement innocent et directement relié au divin, au stade d'être humain assumant ses responsabilités au sein de la société. A côté de la plate-forme ou le prêtre officie, se trouve une petite table couverte d'un cepuk, qui purifie tout l'endroit, et où on a déposé les offrandes importantes, les objets du culte et le bénitier. Lors de cette fête, le cepuk a pour fonction de purifier le lieu des offrandes et les objets du culte, et de les protéger contre les mauvaises influences.

Les cepuk ont aussi une fonction protectrice lors du limage des dents. C'est un rite de passage très important, qui a lieu généralement au moment de la puberté des jeunes gens et des jeunes filles; on leur lime le bord des dents supérieures, pour obtenir une ligne droite. Des dents irrégulières sont considérées comme laides et détestables; elles expriment d'autre part un caractère excessif. En effet, lors de cette cérémonie, il ne s'agit pas seulement de devenir plus beau, il faut encore bannir les côtés négatifs et les ennemis intérieurs d'un individu, et le limage diminue l'influence de ces forces mauvaises. L'individu devient ainsi un membre sain, responsable et bien intégré au sein de sa famille ou d'une communauté plus large. Les nappes utilisées lors de cette cérémonie sont des cepuk, qui protègent les offrandes des influences impures et néfastes. Le baldaquin tendu au-dessus du lieu de limage est aussi un cepuk, de même que les vêtements des poutres ou le drap qui recouvre le lit; tous ces cepuk protègent ceux qui se soumettent au limage.

On utilise parfois aussi des cepuk lors du mariage, qui se fête en grande pompe. Le mariage commence dans la famille de la mariée, et l'un des aspects rituels essentiels réside dans l'accueil de l'épouse dans sa nouvelle communauté familiale, composée des vivants et des morts. Lors de cet accueil symbolique, le jeune couple se présente aux ancêtres dans une sorte de pavillon de cérémonie dont les poutres peuvent être entourées d'étoffes cepuk. Ces tissus ne sont pas simplement décoratifs; ils proviennent du trésor familial et sont donc sont connus des ancêtres, en l'honneur de qui on décore le lieu du rituel. Ces tissus servent aussi à donner vie, force et inspiration au pavillon en l'habillant comme un être humain.

On remarque encore des cepuk lors des cérémonies rituelles pour les morts, qui sont nombreuses et compliquées; ces rituels peuvent s'étendre sur des années, depuis l'instant de la mort jusqu'au moment tant attendu où l'âme de l'ancêtre retourne dans l'autel familial. Pour les Balinais, le corps ne représente que l'enveloppe matérielle et temporaire de l'âme, qui doit retourner ensuite dans les cinq éléments primordiaux; puis l'âme en reviendra pour se réincarner dans un nouveau corps. C'est ce qui explique pourquoi les cérémonies mortuaires à Bali sont si gaies, joyeuses et colorées, sans deuil apparent ni angoisse. Cela ne signifie pas que la famille n'éprouve aucun chagrin, mais elle ne doit pas le montrer, car le deuil dérangerait l'âme dans son chemin vers l'au-delà. La crémation libère définitivement l’âme de son enveloppe matérielle.

Dans une famille, à la mort d'un de ses membres importants, on étend le corps au milieu d'offrandes et d'objets rituels; sur les nombreuses étoffes rituelles qui recouvrent le cadavre, on dépose un cepuk. Au nord de Tabanan, dans un des temples au milieu des montagnes, quand un des grands prêtres meurt, on place son corps sur une immense tour de crémation qu'on porte ensuite au cimetière; là aussi, le corps repose sur un cepuk pour éloigner les mauvaises influences (ill.7). Autrefois, on brûlait ces étoffes avec le mort. Aujourd'hui, on les réutilise dans d'autres occasions, mais un prêtre doit les purifier après la crémation avec de l'eau bénite, des offrandes et des mantras particuliers.

Quand on rénove les autels d'un temple, ou qu'on en construit de nouveaux, il est nécessaire de purifier l'endroit avant d'accueillir à nouveau les dieux et les esprits. Les innombrables offrandes, les objets de culte et autres symboles richement décorés - ou les ancêtres ont pris place - reposent sur un cepuk, qui confère à l'endroit une pureté particulière.

Je citerai encore un autre exemple de l'usage impressionnant d'un cepuk: lors de la fête annuelle dans un temple des morts a Intaran, on entoure les hanches de la puissante déesse Durga avec deux cepuk (ill.8). Cela fait penser bien sur à la figure démoniaque de l'affreuse Rangda.

A Bali, toutes sortes de notions sont intimement liées à un tissu; un tissu peut protéger, défendre, exorciser, purifier rituellement, guérir, faire peur ou intimider. II protège contre les impuretés et les dangers de ce monde-ci et du monde d'en-bas; cette protection se matérialise dans les personnes et les objets du culte. Comme l'énergie propre d'un tissu magique éloigne les forces menaçantes, la présence du tissu lors d'un rituel évite aux participants, aux objets du culte et aux offrandes de perdre leur pureté. Utilisé comme vêtement, un tissu protège celui qui le porte dans une situation dangereuse, pendant les passages difficiles et les phases délicates de l'existence humaine; il est également actif dans la lutte dramatique entre le bien et le mal. Si on l'utilise comme nappe pour poser les objets du culte, les statues des dieux et les personnes rituelles, il marque la frontière entre le monde pur et sacré, et le monde profane dont l'impureté potentielle représente un danger et une menace. La force potentielle d'un tissu est assez ambivalente pour jouer un rôle considérable dans la magie blanche, aussi bien que dans la magie noire.

Un livre accompagne l'exposition: Textilien in Bali

Brigitta Hauser-Schäublin, Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff et Urs Ramseyer; Berkeley-Singapore 1991; texte en allemand ou en anglais 143 pages, 115 illustrations en couleurs, Fr 47,- plus frais de port et emballage; Acheter directement ou commander au Musée d'ethnographie de Bâle ; Boite postale 1048, Ch-4001 Bâle ; tel. 061 266 56 32

Exposition temporaire: L'univers pare d'étoffes - les textiles à Bali; Exposition temporaire du 1er juin 1991 - 15 mars 1992; Musée d'Ethnographie de Bâle, Augustinergasse 2, 4001 Bâle ; Heures d'ouverture: - jusqu'au 31 octobre 1991: 10-17.00 (sauf lundi) ; - du 1er novembre 1991 au 15 mars 1992: 10-12.00 et 14-17.00 (sauf lundi); Visites guidées pour groupes sur demande (prévoir un délai suffisant): tel. 061/266 56 32 ou 266 56 42; L'exposition présente de nombreux exemples remarquables choisis dans la collection bâloise de réputation Internationale. Elle donne un aperçu des procédés de fabrication et de la manière dont les étoffes sont portées; elle montre également les types de textiles les plus importants, leurs significations symboliques complexes et leurs multiples emplois dans les domaines rituel et social.

Source

Hauser-Schäublin, Brigitta; Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff; Urs Ramseyer (1991) - Cepuk: magische Gewebe aus Südbali und Nusa Penida; Cepuk: tissus magique du sud de Bali et de Nusa Penida; in: Textil-Forum, 53 (1992), pp 4-17

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